BIM: 5 Fragen an Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen


Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, mit einer ungewöhnlichen Antwort auf die Frage, was einen guten BIM-Manager ausmacht: „Hier unterscheiden sich die Aufgaben des BIM-Managers grundsätzlich nicht wesentlich von den herkömmlichen Managementaufgaben eines Projektentwicklers. Auch der BIM-Manager als digitaler „Bauleiter“ muss dafür Sorge tragen, dass die einzelnen Glieder der Kette nahtlos ineinandergreifen. "

 

1. BIM, ein allgegenwärtiges Buzzword - welche Rolle spielt BIM in Ihrem Unternehmen/Verband/Organisation?

Der BFW Bundesverbandes vertritt die Interessen von 1.600 mittelständischen Immobilienunternehmen, die für 50% des Wohnungs- und 30% des Gewerbeneubaus in Deutschland zuständig sind. In einer Digitalisierungsumfrage unter den BFW-Mitgliedsunternehmen haben vor wenigen Monaten 77% der Befragten angegeben, Building Information Modeling (BIM) zu kennen. Dennoch wird BIM bislang lediglich von 20% der Befragten genutzt. Die mittelständische Immobilienbranche fängt also erst langsam an, sich intensiver mit dieser Methodik zu beschäftigen. Deshalb setzt der BFW nun auf ein neues Veranstaltungsformat: Mit unseren Digitalisierungsforen schaffen wir bundesweit Plattformen, auf denen unsere Mitgliedsunternehmen Wissen austauschen und sich vernetzen können.

 

2. Wie lang wird es Ihrer Meinung nach noch dauern, bis die Immobilienbranche das volle Potenzial von BIM ausschöpft?

BIM wird in den kommenden Jahren eine grundlegende Innovation und Disruption für das Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden darstellen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich alle Beteiligten der Wertschöpfungskette mit diesem Thema beschäftigen. Das haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht. Es ist jedoch eine Grundvoraussetzung, um im Zuge der Digitalisierung nicht den Anschluss zu verlieren! Der BFW Bundesverband und der Digitalisierungsbeirat des BFW engagieren sich deshalb beim Aufbau von Netzwerken, in denen die Zusammenarbeit gefördert wird. Wann genau eine volle Durchdringung des Marktes mit BIM erreicht wird, ist schwer einschätzbar. Denn auch dann wird es Weiterentwicklungen geben, die adaptiert werden müssen. Die Digitalisierung erfordert also neues Denken und permanentes Lernen. Deshalb sollten die Unternehmen auch keine Angst davor haben, auf diesem Weg Fehler zu machen.

 

3. Worauf sollten Unternehmen bei der Umstellung auf BIM besonders achten?


BIM ist die digitale Arbeitsmethodik in der Bauplanung, die im Idealfall nahtlos in den Gebäudebetrieb übergeht. Zentraler Kern sind digitale Teilmodelle, die von den am Planungsprozess beteiligten Experten erstellt werden. Es ist deshalb unabdingbar, dass alle am Prozess Beteiligten mit dieser Methodik arbeiten, um eine gemeinsame „Sprache“ zu sprechen.

Die Unternehmen müssen zudem bedenken, dass durch BIM alle Beteiligten eines Prozesses gezwungen sind, sich bereits in einem sehr frühen Stadium sehr detailliert festzulegen. Das ist Chance und Risiko zugleich.

4. Was macht einen guten BIM-Manager aus?

Grundlage für den Einsatz der BIM-Methodik ist eine integrierte und partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Planungsbeteiligten mit klar definierten Aufgaben. Teilbereiche aus verschiedenen Fachplanungssegmenten müssen dirigiert und zu einer Einheit zusammengefügt werden. Hier unterscheiden sich die Aufgaben des BIM-Managers grundsätzlich nicht wesentlich von den herkömmlichen Managementaufgaben eines Projektentwicklers. Auch der BIM-Manager als digitaler „Bauleiter“ muss dafür Sorge tragen, dass die einzelnen Glieder der Kette nahtlos ineinandergreifen. Er muss die komplexen Informationen zusammenführen, Konflikte erkennen, Missverständnisse auflösen und die Kommunikation leiten. Dazu braucht auch der BIM-Manager vor allem Praxiserfahrung und muss sich permanent weiterbilden.

 

5. Was kommt nach BIM?

Zum jetzigen Zeitpunkt sollte erst einmal an der weiteren Umsetzung und Standardisierung von BIM gearbeitet werden. Auf dieser Grundlage wollen wir möglichst viele Unternehmen mitnehmen, die sich bisher noch nicht tiefgreifend mit dieser Methodik beschäftigt haben. Parallel verzahnen sich immer mehr Technologien miteinander, es stehen mehr Daten zur Analyse zur Verfügung, womit Prozesse noch effizienter gestaltet werden können. Diese Systeme werden immer komplexer. So wird sich auch BIM eigendynamisch weiterentwickeln.

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